| Die Schachspielerin
F/D; 97 Min.; Regie: Caroline Bottaro; mit Sandrine Bonnaire, Kevin Kline, Francis Renaud, Jennifer Beals, Valérie Lagrange, Alexandra Gentil; ab 0 J.
Emanzipation am Schachbrett: Mit viel Feingefühl schafft es Regisseurin Caroline Bottaro in ihrem Regiedebüt eine einfache Frau unter der mediterranen Sonne in eine moderne Heldin zu verwandeln. Die Profilstudie eines Frauenlebens nach dem erfolgreichen Erstlingsroman von Bertina Henrich wirkt auch auf der Leinwand überzeugend. Nicht zuletzt durch die Ikone des französischen Autorenkinos Sandrine Bonnaire in der Hauptrolle avanciert diese Kleine Rochade des Lebens zum Kinovergnügen.
„Lernen sie doch lieber Patience“, herrscht Dr. Kröger (Kevin Kline) Hélène (Sandrine Bonnaire) verwundert an. Dass seine Putzfrau Schach spielen will und er sie auch noch unterrichten soll geht dem verschrobenen Arzt nicht in den Kopf. Doch längst ist die Mutter einer 15jährigen Tochter der Magie des Königspiels verfallen. Nächtelang übt sie heimlich allein in ihrer kleinen Küche am Schachcomputer. Ihr monotoner Berufs- und Ehealltag in einem Dorf auf Korsika beginnt sich langsam zu verändern.
Angefangen hat alles im Hotel Les Roches Rouges. Dort beobachtet sie als Zimmermädchen fasziniert ein amerikanisches Pärchen auf dem Balkon. Beim Schachspielen tauschen die beiden Zärtlichkeiten aus. Ein romantisches Bild, das die stille Frau verfolgt. Zum Geburtstag schenkt die bescheidene 42jährige ihrem Mann Ange (Francis Renaud) deshalb ein Schachspiel. Doch der einfache Schiffsmonteur kann damit nichts anfangen. Irritiert betrachtet Ange „das originelle Geschenk“. Aus Liebe zu ihm zog Hélène vor Jahren auf die französische Insel.
Im überschaubaren Dorfkosmos sorgt Hélènes merkwürdige Leidenschaft inzwischen für einigen Wirbel. Die Schachbegeisterung eines Zimmermädchens scheint allen mehr als suspekt. Ange, in seiner Mannesehre gekränkt, zeigt sich wutentbrannt als sie ihre hausfraulichen Pflichten vernachlässigt. Sein Essen nicht mehr rechtzeitig auf dem Tisch steht, seine sonst ordentliche Frau sogar vergisst ihre Tochter vom Schulausflug abzuholen. Auch die Hotelchefin versteht die Welt nicht mehr, als die Fügsame zum ersten Mal mit einem klaren „Nein“ Überstunden ablehnt.
Einzig Dr. Kröger freut sich über seine strebsame Schülerin. Denn als er aus einer Laune heraus das erste Mal gegen Hélène antritt, erkennt er ihr schlummerndes Talent. Bald schon überflügelt die Ehrgeizige ihren Lehrmeister. Kröger ermutigt sie sich zu einem Schachturnier anzumelden. Ein folgenschwerer Schritt, mit dem Hélène ihr bisheriges Leben im wahrsten Sinn des Wortes aufs Spiel setzt.
Unspektakulär erzählt das einfühlsame Feel-Good-Drama von der Verwandlung einer einfachen Frau, die bisher brav funktionierte ohne eigenen Ansprüche zu stellen, zur selbstbewussten Siegerin mit neu entdeckter Weiblichkeit. Dabei entpuppt sich der Debütfilm von Caroline Bottaro als gelungene Parabel über Toleranz und mutig gelebte Leidenschaft. Geradezu voyeuristisch fängt die Kamera jede kleine Geste ihrer Protagonistin ein, deren Metamorphose die charismatische Sandrine Bonnaire souverän Glaubwürdigkeit verleiht. Mit einem Blick oder einer Handbewegung macht die fragile Schauspielerin das Innenleben ihrer Figur sichtbar und überstrahlt dabei fast das gesamte Ensemble.
Quelle: Luitgard Koch, Programmkino.de
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