FASTEN AUF ITALIENISCH

OT: L’Italien
Frankreich 2010
Regie: Olivier Baroux
Mit: Kad Merad, Valérie Benguigui, Roland Giraud, Guillaume Gallienne, Farida Ouchani, Nathalie Levy-Lang, Karim Belkhadra, Alain Doutey, Arielle Sémenoff, Guy Lecluyse
Länge: 102 Minuten

FSK ab 6 Jahre

Der Film im Internet: www.fasten-auf-italienisch.de


Fasten auf Italienisch

Es ist ja nur ein Beispiel, dafür aber sicher übertragbar auch auf andere Berufe und Situationen des sozialen Lebens: dass sich in einem französischen Autohaus für italienische Sportflitzer ein lebenslustiger Klischee-Macho aus Bella Italia besser macht als ein gleichermaßen qualifizierter Bewerber arabischen Namens, letzterer sich zudem auch bei der Wohnungssuche schwerer tut, das gehört zum Alltag in unserer multiethnischen Gesellschaft. Mourad Ben Saoud, in Frankreich aufgewachsener Sohn algerischer Einwanderer, hat sich aus genau diesem Grund in Dino Fabrizzi verwandelt. Als dieser bleibt er zwar weiterhin ein "Reingeschmeckter" – als "typischer Italiener" in einem von Dolce Vita geprägten Umfeld aber ist er so zum akzeptierten, ja sogar gefragten Prototypen respektive Vorzeige-Integrierten geworden. Mit Kad Merad ("Willkommen bei den Sch'tis") als selbst in Algerien geborenem Franzosen ist diese Rolle perfekt besetzt.

 

Die in Marseille lebende Familie ahnt vom Doppelleben ihres Ältesten nichts. Bekannt ist ihnen lediglich, dass er in Rom lebt und deshalb bei Familienbesuchen regelmäßig italienische Orangen mitbringt – eingekauft beim Import-Lebensmittelhändler daheim in Nizza. Kritisch für den „Italiener“ wird es, als sein Vater kurz vor Beginn des Ramadan einen Herzinfarkt erleidet und Mourad bittet, für ihn die Zeit des Fastens und des Betens zu übernehmen. Ereignisse also, die nicht so recht ins geschäftige Leben einer säkularen Gesellschaft passen. Mourad merkt schnell, dass er sich mit seiner List einer perfekten Tarnung in eine Sackgasse manövriert hat und zwischen seinen verschiedenen Verpflichtungen religiöser, geschäftlicher und privater Natur aufzufliegen droht. Heraus hilft ihm nur, sich zu seinen Wurzeln und seiner wahren Identität zu bekennen und die möglichen Konsequenzen zu akzeptieren.

Regisseur Olivier Baroux – in Frankreich zusammen mit Merad als Comedy-Duo eine feste Größe im Unterhaltungsgeschäft - hat für seine hintergründige Komödie ein Thema angepackt, das auf eine leichtfüßige humorvolle und witzige Art bestens zu der nicht nur in Frankreich, sondern auch hierzulande geführten Integrationsdebatte passt. Sein Blick gilt beiden Seiten und ihrem Verhalten.

Der Gefahr, sich aufs Glatteis einer Culture-Clash-Komödie zu begeben, entgeht der im Original als „L’Italien“ gestartete Film durch einen Verzicht auf plakative Pointen. Stattdessen werden eine Vielzahl kleiner und feiner amüsanter Details am Rande geliefert – insbesondere während der religionsbedingten Fastenzeit, in der u.a. der Frau an Dinos Seite unter Ausflüchten aller Art die plötzliche Enthaltsamkeit erklärt werden muss. Baroux sympathisiert deutlich mit dem listigen Schwindler, die „Bösen“ sind jene, die sich gegenüber der wahren Identität intolerant zeigen, etwa der Kollege im Autohaus, der ebenfalls ein Auge auf die Nachfolge im Chefsessel geworfen hat. Schön, wenn Arbeitgeber sich von solchen hetzerischen Zeitgenossen nicht beeindrucken lassen und auf Fähigkeiten und Charakter, nicht aber auf die Herkunft schauen.

Quelle: Programmkino.de

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