Harold & Maude

USA 1971
Originaltitel: Harold and Mode (Englische Originalfassung mit Untertiteln)
Regie: Hal Ashby; Kamera: John A. Alonzo
Musik: Cat Stevens; Drehbuch: Colin Higgins
Schnitt: William A. Sawyer, Edward Warschilka
Produzent: Colin Higgins, Charles B. Mulvehill; Productiondesign: Michael Haller
Darsteller: Ruth Gordon, Bud Cort, Vivian Picles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer, Eric Christmas, G. Wood, Henry W. von Dieckhoff, Philip Schultz,  Judy Engles; Shari Summers; M. Borman
FSK ab 12 Jahren
Format: digital

Harold, ein junger Mann aus ebenso nobler wie reicher Familie, will keine rechte Freude am langweiligen und durch tausend Normen festgelegten Leben des gehobenen amerikanischen Bürgertums finden. Um seine allseits gewünschte Anpassung zu boykottieren, entwickelt Harold seltsame Vorlieben und Neigungen. Echtes Interesse findet er erst am wirklichen Tod, an Beerdigungen und Friedhöfen. Eines Tages lernt Harold die 79jährige Maude kennen. Die exzentrische alte Dame teilt seine Interessen, und zwischen Harold und Maude entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung - gegen den erbitterten Widerstand der Mitmenschen.

Harold, von der Erziehung durch seine ebenso reiche wie gedankenlose Mutter gründlich verkorkst, verwendet seine Energie vornehmlch auf das Arrangement fingierter Selbstmordversuche und verbringt seine Freizeit am liebsten mit dem Besuch von Begräbnissen. Hier lernt er die fast achtzigjährige Maude kennen, die in einem phantastisch ausgestatteten ehemaligen Eisenbahn-Wagen lebt, gelegentlich Autos "enteignet" und Harold zu unbekümmerter Individualität ermuntert. Gemeinsam veralbern die beiden die gute Gesellschaft ebenso wie die Polizei; und gemeinsam vereiteln sie den Versuch von Harolds Mutter, den jungen Mann über die Vermittlung seines Onkels Victor in die Armee zu stecken und dort zu domestizieren. Die Beziehungen zwischen Harold und Maude werden schließlich so eng, daß der junge Mann sie gar um ihre Hand bittet; aber Maude macht an ihrem 80. Geburtstag wahr, was sie schön früher angekündigt hatte: Sie wählt den Freitod. Harold rast verzweifelt mit seinem Auto über die Klippen. Doch am Ende steht er unversehrt in einer traumhaft schönen Landschaft.
Reclams Film Führer

Kritik

Harold und Maude ist vordergründig ein Film über zwei Außenseiter der Gesellschaft. Auf der einen Seite der introvertierte und überaus morbide Harold und auf der anderen Seite das extrovertierte 'Hippi-Oldie' Maude. Die beiden entwickeln sich im Laufe der Handlung des Filmklassikers zum vielleicht kuriosesten Liebespaar der Filmgeschichte. Die schwarze, sehr satirisch angehauchte Komödie wirkt insgesamt leicht abgehoben, möglicherweise weil Regisseur Hal Ashby das Geschehen und die Dialoge verhältnismäßig weit in den Hintergrund des Bildes setzte und obendrein durchgängig Weichzeichner benutzte. Die Geschichte von Harold und Maude zeigt sich allerdings völlig konträr zu seiner Aufmachung. Das originelle Ergebnis ist vergleichsweise ein auffällig, gesellschaftskritisches Hollywood-Werk, bei dem, neben den Staatsorganen, insbesondere die Kirche und das amerikanische Sexual-(Miß)Verständnis scharfsinnig attackiert wurden. Hal Ashby setzte dieses subtil-tadelnde Strickmuster fast ebenso gekonnt in seinen nachfolgenden Filmen 'Dieses Land ist mein Land' (1976), 'Coming Home - Sie kehren heim' (1978) und vor allem natürlich in dem bewundernswerten 'Willkommen Mr. Chance' (1979) fort. Was sich jedoch in der Filmgeschichte nur sehr selten wiederholen ließ, waren die wie angegossenen Songs von Cat Stevens, die nicht nur deutlich stärker als die gebräuchlichen, oft wenig innovativen, 'filmbegleitenden' Klänge wirken, sondern die darüber hinaus Harold und Maude eine ganz besondere Note verleihen. Unvergessen bleiben natürlich auch die vielen humorvollen Elemente des Film, wie etwa der zum Leichenwagen umgebaute Sportwagen, Harolds Besuche beim Psychiater, oder der mechanische 'Salutier-Arm' von Onkel Victor. Aber auch das vorzügliche Spiel der Darsteller trägt nicht unmaßgeblich dazu bei, daß der Film neben 'Easy Rider' zum Kultfilm-Klassiker der Flower-Power-Zeit avancierte. [...]
Harold und Maude stellt sich vehement gegen fragwürdige Moralvorstellungen und standardisierte Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens. Der Film steht für Freiheit, Lebensfreude und eine wandelbare Denkweise der Individuen innerhalb einer modernen Gesellschaft. Die Provokanz der unangepaßten Lebensweise überstrahlt diesen Film wie vielleicht keinen anderen, und ein wenig vermißt man eine solche Grundthematik gerade in den Filmen der heutigen Zeit, gleich ob in Hollywood oder in Deutschland.
Gregor Jochim (http://www.geocities.com/Hollywood/Lot/4035/film-02.htm)

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