Harold & MaudeUSA
1971 Harold, von der Erziehung durch seine ebenso reiche wie gedankenlose Mutter
gründlich verkorkst, verwendet seine Energie vornehmlch auf das Arrangement
fingierter Selbstmordversuche und verbringt seine Freizeit am liebsten
mit dem Besuch von Begräbnissen. Hier lernt er die fast achtzigjährige
Maude kennen, die in einem phantastisch ausgestatteten ehemaligen Eisenbahn-Wagen
lebt, gelegentlich Autos "enteignet" und Harold zu unbekümmerter
Individualität ermuntert. Gemeinsam veralbern die beiden die gute Gesellschaft
ebenso wie die Polizei; und gemeinsam vereiteln sie den Versuch von Harolds
Mutter, den jungen Mann über die Vermittlung seines Onkels Victor in die
Armee zu stecken und dort zu domestizieren. Die Beziehungen zwischen Harold
und Maude werden schließlich so eng, daß der junge Mann sie gar um ihre
Hand bittet; aber Maude macht an ihrem 80. Geburtstag wahr, was sie schön
früher angekündigt hatte: Sie wählt den Freitod. Harold rast verzweifelt
mit seinem Auto über die Klippen. Doch am Ende steht er unversehrt in
einer traumhaft schönen Landschaft. Harold und Maude
ist vordergründig ein Film über zwei Außenseiter der Gesellschaft. Auf
der einen Seite der introvertierte und überaus morbide Harold und auf
der anderen Seite das extrovertierte 'Hippi-Oldie' Maude. Die beiden entwickeln
sich im Laufe der Handlung des Filmklassikers zum vielleicht kuriosesten
Liebespaar der Filmgeschichte. Die schwarze, sehr satirisch angehauchte
Komödie wirkt insgesamt leicht abgehoben, möglicherweise weil Regisseur
Hal Ashby das Geschehen und die Dialoge verhältnismäßig weit in den Hintergrund
des Bildes setzte und obendrein durchgängig Weichzeichner benutzte. Die
Geschichte von Harold und Maude zeigt sich allerdings völlig konträr zu
seiner Aufmachung. Das originelle Ergebnis ist vergleichsweise ein auffällig,
gesellschaftskritisches Hollywood-Werk, bei dem, neben den Staatsorganen,
insbesondere die Kirche und das amerikanische Sexual-(Miß)Verständnis
scharfsinnig attackiert wurden. Hal Ashby setzte dieses subtil-tadelnde
Strickmuster fast ebenso gekonnt in seinen nachfolgenden Filmen 'Dieses
Land ist mein Land' (1976), 'Coming Home - Sie kehren heim' (1978) und
vor allem natürlich in dem bewundernswerten 'Willkommen Mr. Chance' (1979)
fort. Was sich jedoch in der Filmgeschichte nur sehr selten wiederholen
ließ, waren die wie angegossenen Songs von Cat Stevens, die nicht nur
deutlich stärker als die gebräuchlichen, oft wenig innovativen, 'filmbegleitenden'
Klänge wirken, sondern die darüber hinaus Harold und Maude eine ganz besondere
Note verleihen. Unvergessen bleiben natürlich auch die vielen humorvollen
Elemente des Film, wie etwa der zum Leichenwagen umgebaute Sportwagen,
Harolds Besuche beim Psychiater, oder der mechanische 'Salutier-Arm' von
Onkel Victor. Aber auch das vorzügliche Spiel der Darsteller trägt nicht
unmaßgeblich dazu bei, daß der Film neben 'Easy Rider' zum Kultfilm-Klassiker
der Flower-Power-Zeit avancierte. [...] |