Poll

Deutschland 2010
Regie & Drehbuch: Chris Kraus
Darsteller: Paula Beer, Edgar Selge, Tambert Tuisk, Jeanette Hain, Richy Müller
Länge: 133 Minuten

FSK ab 12 Jahren

Prädikat: besonders wertvoll

 

Der Film im Internet: www.poll-derfilm.de

 



Kinotrailer von Filmtrailer.com

 

Oda, ein junges Mädchen, begleitet den Sarg ihrer Mutter von Berlin nach Estland, wo ihr Vater lebt. Er ist Forscher, hat sich der Wissenschaft verschrieben und experimentiert in seinem Labor mit Leichen, die er den aufständischen russischen Anarchisten abkauft. Seine Frau, die ihn mit dem Gutsverwalter hintergeht, langweilt sich an seiner Seite. Die Dienerschaft verhält sich latent feindselig gegenüber den aristokratischen Gutsbesitzern und zusätzlich wird ein Regiment berittener Soldaten auf dem Gut einquartiert. In dieser Wirklichkeit muss sich Oda zurechtfinden und fühlt sich ganz und gar nicht wohl. Da scheint es für ihre Wissbegier und Neugier, ihr Vater nennt es ihren „männlichen Geist“, gerade recht zu kommen, dass sie im Strandhaus auf einen jungen Anarchisten trifft, der sich schwer verletzt dort versteckt hat und den sie pflegt und mit Lebensmitteln versorgt.

 

Die hauptsächlich aus der Perspektive Odas erzählte, sorgfältig konstruierte Geschichte lässt das Sterben einer gesellschaftlichen Schicht deutlich werden, die in ihrer Unbeweglichkeit fremd wirkt, aber gleichzeitig die menschliche Dimension erlebbar werden lässt. Die Gesellschaft, die hier versammelt ist, scheint eine Endzeitstimmung zu verkörpern. Auch die junge Oda befindet sich, durch den Tod ihrer Mutter und die fremde, fast feindselige Atmosphäre, in der sie nun lebt, in ständiger Anspannung, aber gleichermaßen auch in Melancholie. Diese widersprüchliche Haltung wird von der junge Schauspielerin Paula Beer perfekt verkörpert. In ihrer glaubwürdigen Darstellung finden sich analytische Neugier, aber auch die naive Radikalität einer Vierzehnjährigen ebenso wie schwärmerische Hingabe und Koketterie. Kamera und Schnitt arbeiten subtil genug, jeder Szene ihr Geheimnis zu lassen. Es entsteht der Bilderbogen einer fernen, fremden, untergehenden Epoche überaus glaubwürdig, dabei distanziert in der Betrachtung der Situation, dennoch opulent, farbig und tragisch. Die Inszenierung präsentiert eine große Geschichte, niemals kitschig, mit großem, dem Anlass angemessenem Pathos.


Quelle: www.fbw-filmbewertung.com

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