Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs

Lord of the Ring – Return of the King


USA, Neuseeland 2003
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Nach der Trilogie von J.R.R.Tolkien
Kamera: Andrew Lesnie
Darsteller: Elijah Wood, Ian McKellen, Viggo Mortensen, John Rhys-Davies, Orlando Bloom, Sean Astin, Bernard Hill, Billy Boyd, Ian Holm, Miranda Otto, Liv Tyler, Hugo Weaving, Karl Urban, Sean Bean, Cate Blanchett, Andy Serkis
Länge: 200 Minuten
Verleih: Warner

Inhalt

Nicht immer sind aller guten Dinge drei: siehe „Krieg der Sterne“ oder „Matrix“, deren Fortsetzungen schwach und schwächer ausfielen. Die Erwartungen an den letzten Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie sind gigantisch – doch nicht vergeblich. Das Finale der Tolkien-Saga fällt überwältigend, pompös aus: eine majestätische Rückkehr des neuseeländischen Kino-Königs Peter Jackson.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Die strategische Gretchenfrage jeder Fortsetzung beantwortet Regisseur, Ko-Autor und Ko-Produzent Peter Jackson mit einem ebenso laut wie gut gebrüllten „Ja!“. Noch länger (200 Minuten!) . Noch spezialeffektvoller. Noch spektakulärer. Noch oscarträchtiger. Doch was wären alle Superlative ohne stimmige Story, alle Gigantomanie ohne Gefühle? Deshalb haut der einstige Splatter-Regisseur auch dramaturgisch drastisch auf die Pauke: Gut und Böse, Freundschaft und Loyalität, Mut und Schwäche, selbst ein Vater-Sohn-Konflikt à la Shakespeare fehlt nicht im Repertoire der klassischen Konflikte. All das wird inszeniert mit so bildgewaltiger Opulenz, dass man mit dem Gucken bisweilen kaum noch nachkommt. Derweil das rasante Erzähltempo der komplexen Geschichte samt ihrer zahlreichen Figuren wenig Zeit zum Griff in die Popcorntüte lässt.

Am Anfang war der Ring. So beginnt das Epos mit einem Rückblick, wie die Hobbits Deagol und Smeagol das verhängnisvolle Schmuckstück einst fanden und sogleich der erste Streit um die Macht ausbrach. Für Fans des digitalen Gollum ein ganz besonders Vergnügen, sieht man hier den Schauspieler Andy Serkins (der als Vorlage für die Trickkünstler diente) doch leibhaftig, bevor er später vom fröhlichen Hobbit zur tragischen Kreatur mutiert. Schnitt zum ersten Handlungsstrang: die Gefährten Frodo (Elijah Wood) und Sam (Sean Astin) gemeinsam mit Gollum auf dem langen Weg zur endgültigen Entsorgung des fatalen Rings im Höllenschlund von Mordor.

Unterdessen, im zweiten Handlungsstrang, kehren Gandalf (Ian McKellen) und Aragon (Viggo Mortensen) aus der Schlacht von Helms Klemm nach Isengart zurück. Dass der neugierige Hobbit Pippin einen Blick auf die geheimnisvolle Kugel in Gandalfs Gepäck wirft, hat schlimme Folgen: er erblickt das Auge des Bösen. Umgekehrt hält Sauron ihn nun für den Träger des Rings. Gandalf und Pippin brechen nach Minas Tirith auf, wo sie den verbitterten, dem Wahnsinn nahen König Denethor vergeblich zur großen Schlacht auffordern. In einem weiteren Erzählstrang schließlich muss Aragon sich mit Elben-Hilfe seinem Schicksal stellen und die Rolle des mutigen Anführers übernehmen. Während die vereinten Völker, eine Armee der Toten inklusive, sich in einer gigantischen Schlacht gegen die schier endlosen Legionen des Bösen werfen, der listige Elbe Legolas (Orlando Bloom) mit Pfeil und Bogen gegen monströse, elefantenähnliche Fantasy-Gestalten kämpft, läuft dem wackeren Frodo die Zeit davon: die Macht des Rings wird immer verhängnisvoller, er gerät in die Fänge der Riesenspinne Kankra und schließlich verlässt den blauäugig strahlenden kleinen Helden auf den letzen Metern seiner Mission fast die Kraft.

Ganz im Unterschied zum Regisseur, der sein 'powered by emotion’ Fantasy-Füllhorn derart vollgepackt hat, dass er die Lovestory zwischen Faramir und Eowyn oder Christopher Lee als Saruman aus Zeitgründen auf dem Schneidetisch opfern musste und erst in der längeren DVD-Version präsentieren wird. Im Heimkino freilich dürfte die atemberaubende Mutter aller Filmschlachten wohl nur noch wie der Ameisenhaufen eines Computerspiels wirken. Im Ausland soll es die 'extend dvd-version’ der „Zwei Türme“ inzwischen für den Kinoeinsatz geben. Nach dem absehbaren Mega-Erfolg des „Königs“ dürfte eine Rückkehr der geplanten DVD-Langfassung auf der Leinwand nicht ganz undenkbar sein - „Darfs ein bisschen noch mehr sein“ als Kino-Bescherung für übernächstes Weihnachten?


Dieter Oßwald



Programmkino

wochenprogramm links Wochenprogramm